WG Dialog – zwei Einrichtungen, ein Anspruch

Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Libyen, Eritrea, Gambia, Mali, Bangladesch, Irak, Pakistan und anderen Ländern. Sie sind zwischen 15 und 18 Jahre alt und ohne irgendeine Begleitung aus ihrem Heimatland geflüchtet. Unter Umständen, von denen man sich keine Vorstellungen macht. Mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Manche kommen darüber hinaus aus Deutschland, können aber in ihren Herkunftsfamilien nicht ausreichend betreut werden. In den beiden Einrichtungen der FSD-Stiftung finden insgesamt 15 junge Menschen eine sichere Umgebung für einen Neuanfang. Einige weitere werden ambulant betreut.

15 Jugendliche stationär

Hoch über den Dächern von Berlin, mitten im geschäftigen Steglitz, haben alle neun BewohnerInnen ein eigenes, kleines Zimmer, sorgen Gemeinschaftsräume dafür, dass man sich trifft, miteinander international kocht und in einer vertrauten Umgebung zu sich selbst und zu anderen findet.

In einer zweiten Einrichtung dieser Art in Zehlendorf stehen seit 2011 sechs Plätze in einer Doppelhaushälfte mitten im ruhigen Wohngebiet zur Verfügung. Auch hier werden minderjährige Flüchtlinge unterstützt auf ihrem Weg zu einer eigenständigen Lebensführung.

Viele Kulturen, viele Sprachen

Im Vordergrund der pädagogischen Arbeit stehen Hilfen zur Entwicklung der Selbstständigkeit der Jugendlichen im umfassenden Sinne. Die jungen Menschen sollen befähigt werden, einen schulischen und beruflichen Abschluss zu erlangen, ihre persönliche Lebensführung eigenständig zu organisieren und sinnvoll zu gestalten. Unter Wahrung ihrer jeweiligen kulturellen Identität sollen Akzeptanz und Toleranz vermittelt werden. Das ist bei der multikulturellen Zusammensetzung der Bewohner ein komplexer Anspruch und setzt u. a. Mehrsprachigkeit der BetreuerInnen voraus.

Recht auf Bildung

Das Recht auf Schulbildung und Ausbildung für die/den einzelne/n Jugendliche/n, je nach Bildungsstand, Reife und aufenthaltsrechtlichen Bedingungen, wird in den Einrichtungen der WG Dialog umgesetzt. Die 15 BewohnerInnen nehmen an verschiedenen Bildungs- und Qualifizierungsangeboten, wie Deutschkurse oder Ausbildungen teil oder sie besuchen die Schule.

Partizipation im Fokus

Besonderes Augenmerk wird auf die Befähigung der Jugendlichen zur Partizipation und zur Übernahme von Verantwortung im Gemeinwesen gelegt.

Die Wohngruppen wählen GruppensprecherInnen für jeden Standort der WG Dialog. Auf Wunsch der Jugendlichen konnten Kleingruppenversammlungen installiert werden. Die Implementierung der Partizipation in den jeweiligen Gruppen und dem MitarbeiterInnenteam wurde gesteuert durch die Anleitung von geschulten MultiplikatorInnen (Jugendliche) und der Partizipationsbeauftragten der WG Dialog. Die Schulungen fanden im Rahmen des Partizipationsprojektes „Partizipation in der Kinder- und Jugendhilfe“ des Bundesfachverbandes für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e. V., des Qualitätsmanagements und durch Fortbildungsangebote statt.

Höhepunkte für die verantwortlichen Jugendlichen waren die Tagungen zum Thema Partizipation mit den anderen mitwirkenden Modelleinrichtungen in München und Kassel. Fazit: Die jungen Menschen fühlten sich viel ernster genommen und gebrauchten rege ihr Mitspracherecht.

Spiel, Sport, Kultur und Reisen

Regelmäßig unternehmen fast alle Jugendlichen eine Gruppenreise, zum Beispiel nach Stralsund oder Bremerhaven. Besonders beliebt bei den Jugendlichen ist die Grillsaison. In Sportvereinen für Fußball, Thai Boxen und Basketball konnten auf eigenen Wunsch Jugendliche angemeldet werden. In einem Musikworkshop entstand eine CD mit zwei selbstentwickelten Songs. An einem pädagogischen Tanzprojekt nahm eine Jugendliche teil. Auch Besuche im Schwimmbad und im Kino werden gemeinsam organisiert.

Asylrecht, Diversity und Kinderschutz

Das pädagogische Team der WG Dialog verfügt über Kenntnisse im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe, in asylrechtlichen/ausländerrechtlichen Belangen sowie in den Bereichen Diversity und Gender Mainstreaming, die das pädagogische Team befähigen, die jungen Menschen adäquat zu begleiten.

Zur Fortbildung gehören auch regelmäßige interne und externe Arbeitszirkel im Bereich Kinderschutz, Partizipation, Qualitätsmanagement und Arbeitsschutz.

Die Jugendhilfeeinrichtung ist eine anerkannte nichtbehördliche Praxisstelle für PraktikantInnen in der Berufsausbildung / dem Studium zum ErzieherIn und SozialarbeiterIn.

Besondere Kompetenzen sind gefragt, wenn beispielsweise behinderte Jugendliche oder schwangere Mädchen betreut werden müssen. Hier greift die gute Netzwerkarbeit in den Bezirken.

„Ehemalige“ suchen Kontakt

Immer wieder nehmen aus der Betreuung entlassene Jugendliche und junge Erwachsene selbstständig Kontakt zu der WG Dialog auf, um von ihren neuesten Entwicklungen zu berichten. Zum Teil bitten sie um Hilfestellungen, wenn es sich um komplexere Fragen zu amtlichen oder ausländerrechtlichen Belangen handelt.

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