Übergangswohnheim

Das Übergangswohnheim der FSD-Stiftung Berlin beherbergt wohnungslose Menschen aller Nationalitäten; Männer und Frauen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr und ihre Kinder, die aufgrund unterschiedlichster Gründe auf der Straße lebten, keinen festen Wohnsitz hatten oder zunächst bei Freunden oder Verwandten unterkamen. Sie alle erhalten hier mehr als ein Dach über dem Kopf. Verlässliche Ansprechpartner, rund um die Uhr, bieten den Bewohnerinnen und Bewohnern eine vertrauensvolle Umgebung, um wieder Kraft zu schöpfen das eigene Leben in die Hand zu nehmen oder sich Unterstützung zu holen.

Vom Flüchtlingsheim zur Zuflucht für Obdachlose

Das Wohnheim verfügt heute über 84 Betten in 68 Einzelzimmern und acht Doppelzimmern. Sanitärräume, ein Waschmaschinenraum, ein PC-Raum mit Internet, ein Münzfernsprecher sowie ein Gemeinschaftsraum werden den Bewohnerinnen und Bewohnern bereitgestellt. In den drei Küchen mit jeweils vier Herden können die BewohnerInnen ihre Mahlzeit allein oder gemeinsam zubereiten. Darüber hinaus gibt es ein Krankenzimmer, Büroräume, Personalräume, ein Wäsche- und ein Möbellager sowie eine Hobbywerkstatt. Eine Tischtennisplatte, die Sitzgelegenheiten im Außenbereich und ein Grillplatz können von allen genutzt werden.
 
Das Gebäude in Zehlendorf wurde 1994 als zeitlich begrenztes Wohnheim für Menschen, die aufgrund der Jugoslawienkriege nach Deutschland flüchteten, gebaut. Später beherbergte es hauptsächlich wohnungslose Menschen und Jugendliche. 1998 wurde die Einrichtung in ein Wohnheim für wohnungslose Menschen und ein Jugendwohnheim geteilt. Im oberen Teil des Gebäudes befindet sich seit 2008 die EAC Erstaufnahme- und Clearingstelle der FSD-Stiftung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Bewohner jeden Alters

Die Unterbringung in das Wohnheim erfolgt auf der Rechtsgrundlage des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes – ASOG Berlin. Die zuständigen Sozialämter und Bezirksämter Berlins weisen dem Übergangsheim wohnungslose Menschen jeden Alters zu. Das Wohnheim kooperiert zudem mit Jobcentern und anderen Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe. Wenn BewohnerInnen aufgrund ihres Alters oder auch einer Krankheit betreut oder gepflegt werden, arbeitet das Wohnheim eng mit deren rechtlichen BetreuerInnen, Sozialstationen und dem Sozialpsychiatrischen Dienst zusammen.

Lebendige Mischung

Das Heim ist zu allen Zeiten des Jahres mit 91 bis 95 Prozent so gut wie ausgelastet. Die Anzahl der männlichen Bewohner überwiegt. Die größte Altersgruppe ist die der 30 bis 50 Jährigen. Für Familien gibt es keine Angebote, lediglich Eltern mit Kindern werden aufgenommen. Im Haus sind viele Nationalitäten vertreten, sowohl deutsche als auch ausländische Staatsangehörige sowie Staatenlose. Diese sehr unterschiedliche Bewohnermischung bildet die Grundlage für ein lebendiges, vielfältiges Miteinander. Die Zimmer sind möbliert mit einem Kleiderschrank, einem Bett, einem Tisch mit einer Sitzgelegenheit und einem Kühlschrank. Bei Einzug erhält Jede/r alles Notwendige wie Geschirr, Besteck, Kochgeschirr, Bettzeug, Bettwäsche und Handtücher. Es steht allen frei ein zurückgezogenes Leben oder nachbarschaftliche Kontakte zu pflegen.

Ein eigenes Leben …

Das achtköpfige Team unter Leitung von Rainer Strägel ist für die BewohnerInnen immer ansprechbar, auch auf Englisch, Französisch, Polnisch oder Russisch. 24 Stunden ist das FSD-Team vor Ort in Bereitschaft. Und das heißt nicht nur anwesend, sondern auch unterstützend durch einen Sozialpädagogen, mit Hilfsangeboten bei Alltagsproblemen und sozialen Schwierigkeiten. Allen Bewohnern steht für die Arbeits- oder Wohnungsbewerbungen das Telefon, PC und Fax zur Verfügung. Es besteht der Anspruch, den Aufenthalt im Wohnheim menschenwürdig und anregend zu gestalten. So werden Bewohnerfeste, Spielturniere, Grillabende oder Weihnachtsfeiern gemeinschaftlich angeboten. Alle drei Monate lädt das Betreuerteam zur Hausversammlung ein. Kritik und Anregungen werden aufgenommen und sinnvolle Lösungen erarbeitet.

Keine dauerhafte Lösung…

Das Leben in einem Übergangswohnheim kann für die Bewohner keine dauerhafte Lösung sein. Viele verlassen das Heim nach einiger Zeit wieder, zum Beispiel in eine eigene Wohnung. Es leben aber auch einzelne Bewohner bereits an die zehn Jahre hier. Einige sind berufstätig und müssen dennoch – mit Eigenbeteiligung – die Einrichtung in Anspruch nehmen, da sie keine bezahlbare Alternative gefunden haben. Der Wohnungsmarkt in Berlin ist für Menschen, die Schulden, gesundheitliche Einschränkungen oder soziale Schwierigkeiten haben, schwer zugänglich.
 
Was bedeutet es heute in unserer Gesellschaft ohne Wohnung zu sein? Es kann soziale Isolation, Ausgrenzungs- sowie Stigmatisierungserfahrungen mit sich bringen. Eine eingeschränkte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben kann zu weiteren persönlichen Schwierigkeiten führen. Für einen aktuellen Stand der Diskussion und eine positive Einflussnahme in die Gesellschaft ist das Leitungsteam des Übergangsheims auch außerhalb der Einrichtung aktiv. So ist Rainer Strägel Mitglied der Landesarmutskonferenz LAK und im Fachbeirat für Soziales der Arbeiterwohlfahrt tätig, deren korporatives Mitglied wiederum die FSD-Stiftung ist.

weiterlesen

fsd-web-uewh