Vom Flüchtlingsheim zur Zuflucht für Obdachlose

Das Wohnheim verfügt heute über 81 Betten in 71 Einzelzimmern und fünf Doppelzimmern. Sanitärräume, ein Waschmaschinenraum, ein PC-Raum mit Internet, ein öffentliches Telefon sowie ein Gemeinschaftsraum werden den Bewohnerinnen und Bewohnern bereitgestellt. In den drei Küchen mit jeweils vier Herden können die Bewohner*innen ihre Mahlzeit allein oder gemeinsam zubereiten. Darüber hinaus gibt eine Tischtennisplatte, Sitzgelegenheiten im Außenbereich und einen Grillplatz, die von allen genutzt werden können.

Das Gebäude in Zehlendorf wurde 1994 als zeitlich begrenztes Wohnheim für Menschen, die aufgrund der Jugoslawienkriege nach Deutschland flüchteten, gebaut. Später beherbergte es hauptsächlich wohnungslose Menschen und Jugendliche. 1998 wurde die Einrichtung in ein Wohnheim für wohnungslose Menschen und ein Jugendwohnheim geteilt.

Bewohner*innen jeden Alters

Die Unterbringung erfolgt auf der Rechtsgrundlage des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes – ASOG Berlin. Die freien Plätze werden der Berliner Unterbringungsstelle (BUL) zentral gemeldet. Die zuständigen Sozialämter und Bezirksämter Berlins weisen dann dem Übergangsheim wohnungslose Menschen jeden Alters zu. Das Wohnheim kooperiert zudem mit Jobcentern und anderen Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe. Müssen Bewohner*innen aufgrund ihres Alters oder auch einer Krankheit betreut oder gepflegt werden, arbeitet das Wohnheim eng mit Sozialstationen, dem Sozialpsychiatrischen Dienst und den rechtlichen Betreuer*innen zusammen.

Lebendige Mischung

Die Einrichtung ist zu allen Zeiten des Jahres voll ausgelastet. Die Anzahl der männlichen Bewohner zwischen 30 und 50 Jahren überwiegt. Auch Eltern mit Kindern werden aufgenommen. Im Haus sind viele Nationalitäten vertreten. Die sehr unterschiedliche Bewohner*innenmischung bildet die Grundlage für ein lebendiges, vielfältiges Miteinander. Die Zimmer sind möbliert mit einem Kleiderschrank, einem Bett, einem Tisch mit einer Sitzgelegenheit und einem Kühlschrank. Bei Einzug bekommt jede*r alles Notwendige wie Geschirr, Besteck, Kochgeschirr, Bettzeug, Bettwäsche und Handtücher zur Verfügung gestellt. Es steht allen frei ein zurückgezogenes Leben oder nachbarschaftliche Kontakte zu pflegen.

Ein eigenes Leben …

Das neunköpfige Team ist für die Bewohner*innen immer ansprechbar, auch auf Englisch, Französisch, Polnisch oder Russisch. 24 Stunden ist das FSD-Team vor Ort in Bereitschaft. Und das heißt nicht nur anwesend, sondern auch beratend durch eine Sozialpädagogin, mit unterstützenden Angeboten bei Alltagsproblemen und sozialen Schwierigkeiten. Allen Bewohner*innen steht für die Arbeits- oder Wohnungsbewerbungen das Telefon, PC und Fax zur Verfügung. Es werden Bewohner*innenfeste, Spielturniere, Grillabende oder Weihnachtsfeiern gemeinschaftlich angeboten. Alle drei Monate lädt das Betreuuungsteam zur Hausversammlung ein. Kritik und Anregungen werden aufgenommen und sinnvolle Lösungen erarbeitet.

Keine dauerhafte Lösung…

Das Leben in einem Übergangswohnheim soll für die Bewohner*innen keine dauerhafte Lösung sein. Viele verlassen die Einrichtung nach einiger Zeit wieder, zum Beispiel in eine eigene Wohnung. Andere leben über einen längeren Zeitraum hier. Der Wohnungsmarkt in Berlin ist für Menschen, die Schulden, gesundheitliche Einschränkungen oder soziale Schwierigkeiten haben, schwer zugänglich.

Was bedeutet es heute in unserer Gesellschaft ohne Wohnung zu sein? Es kann soziale Isolation, Ausgrenzungs- sowie Stigmatisierungserfahrungen mit sich bringen. Eine eingeschränkte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben kann zu weiteren persönlichen Schwierigkeiten führen. Für einen aktuellen Stand der Diskussion und eine positive Einflussnahme in die Gesellschaft ist das Leitungsteam des Übergangsheims auch außerhalb der Einrichtung aktiv. Die FSD-Stiftung ist Mitglied der Landesarmutskonferenz LAK und im Fachbeirat für Soziales der Arbeiterwohlfahrt tätig, deren korporatives Mitglied wiederum die FSD-Stiftung ist.