Erstaufnahme und Clearingstelle
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Tag für Tag wird die Liste der Neuankömmlinge auf das Genaueste aktualisiert: Kinder und Jugendliche jeden Alters, Jungen wie Mädchen, manchmal auch minderjährige Mütter mit ihren Kindern. Flüchtlinge aus z. B. Syrien, Afghanistan, dem Irak, Guinea, Vietnam, der Russischen Föderation oder Bangladesch. Die jungen Menschen sind minderjährige Flüchtlinge, kommen ohne Eltern und klingeln an der Tür zur Erstaufnahme- und Clearingstelle, kurz EAC, im Süden Berlins – die meisten als sogenannte Selbstmelder. Sie finden in der EAC und ihrer Außenstelle, welche als reine Clearingstellen ohne Erstaufnahme fungiert, eine erste Obhut und eine Anlaufstelle zur Klärung ihrer Situation.

Jederzeit zur Aufnahme bereit

In vielen Heimatländern der jungen Flüchtlinge und Asylsuchenden herrschen humanitäre Krisen und Armut, Krieg, Bürgerkrieg und/oder politische Verfolgung. Die Kinder und Jugendlichen fliehen aus dieser Bedrohung oder werden von der Familie in die erhoffte Sicherheit geschickt. Sie suchen in Deutschland Schutz und eine bessere Zukunft. Ihre Familie und Freunde mussten sie zurücklassen oder wurden von ihnen auf der Flucht getrennt. Die Clearingstellen der Stiftung zur Förderung sozialer Dienste Berlin sind rund um die Uhr besetzt. Die EAC ist zudem jederzeit bereit, eingereiste ausländische Kinder und Jugendliche in Obhut zu nehmen, denn planbar ist ihre Ankunft nicht.

Drei Einrichtungen

Die EAC verfügt über 15 Erstaufnahme- und 60 Clearingplätze, die Außenstellen über 30 bzw. 56 Plätze. Voraussetzung für die Aufnahme ist, dass die jungen Menschen alleine und unbegleitet nach Deutschland gekommen sowie schutzbedürftig sind und sich tatsächlich in Berlin aufhalten bzw. Berlin als Asylsuchende zugeteilt wurden. Dies wird in einem Erstaufnahmegespräch geklärt, welches die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie im Beisein jeweils einer Psycholog*in der Stiftung vor Ort führt. Die Gespräche werden von Sprachmittler*innen übersetzt.

Clearingverfahren

Die jungen Menschen durchlaufen in den Clearingstellen der Stiftung ein ca. dreimonatiges Clearingverfahren. Hauptbestandteile dieses Verfahrens sind die ausländerbehördliche Erfassung, die Gesundheitsvorsorge, die Ermöglichung des Bildungszuganges sowie die Klärung der Personensorge im Anschluss an die Inobhutnahme. Das Clearingverfahren endet mit dem Übergang in die bezirkliche Jugendamtszuständigkeit und dem Auszug in eine geeignete Jugendhilfeeinrichtung.
Aufgrund der zeitlichen Beschränkung des Clearingverfahrens ist die Fluktuation der Bewohner*innen entsprechend hoch. Von dieser Rahmenbedingung ist die gesamte Arbeit der Clearingstelle geprägt.

Ein geregelter Alltag in der Fremde

In den Häusern selbst sorgt ein gut strukturierter Alltag weitestgehend für Ruhe und Harmonie.
Die Kinder und Jugendlichen wohnen in Einzel- und Doppelzimmern, die einfach aber funktional und bei Selbstverpflegung mit eigenem Kühlschrank eingerichtet sind. Geschwister oder Bewohner*innen gleicher Nationalität werden in den Doppelzimmern einquartiert. Die älteren Jugendlichen ab 14 Jahren können ihre Freizeit selbstständig gestalten und versorgen sich selbst, wofür sie täglich Verpflegungsgeld erhalten. Des Weiteren wird ein dem jeweiligen Alter entsprechendes Taschengeld in zwei Teilen pro Monat ausgezahlt.
Die Kinder bis zu einem Alter von 14 Jahre werden vollversorgt. Zudem werden sie intensiver betreut und werden so z. B. auch außerhalb der Häuser begleitet und betreut.

Die Gemeinschaftsküchen dienen der Begegnung, in den Gemeinschaftsräumen wird Tischtennis und Tischkicker gespielt, ferngesehen, gebastelt, gemalt und hin und wieder gefeiert. Die Mitarbeiter*innen der EAC und ihrer Außenstelle bieten ebenfalls außerhalb des Hauses vielfältige Freizeitangebote an. Sportliche Unternehmungen wie Schwimmen gehen oder Fußball spielen sind besonders beliebt.
Das alltägliche Miteinander erfordert Regeln, Akzeptanz und Kommunikation.

Das EAC-Team

Das EAC-Team besteht in der Erstaufnahme- und den Clearingstellen aus zum Teil muttersprachlichen Erzieher*innen, Betreuer*innen und Sozialarbeiter*innen, die im Kontext der interkulturellen Pädagogik arbeiten und sich in Kleinteams jeweils um eine Gruppe bestehend aus acht bis zwölf Kindern und Jugendlichen kümmern. Zudem steht den Kindern und Jugendlichen ein Psycholog*innenteam zur Seite. U. a. für den reibungslosen Ablauf von Verpflegungsgeld- und Taschengeldauszahlungen sorgen die Mitarbeiter*innen der Verwaltung.
Gremienarbeit in Fachverbänden sowie Fortbildungsmaßnahmen sind ebenso selbstverständlich für die Arbeit, wie regelmäßige Supervisionssitzungen für alle Teams. Durch Qualitätsdialoge zwischen dem Auftraggeber Land Berlin, hier also der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, und dem EAC-Team werden die Qualität der Arbeit und ihre Standards überprüft, bestätigt und weiterentwickelt.